| Miljonair Fair, Hollands neuer Hedonismus |
| Gastschrijver | |
| dinsdag 22 januari 2008 | |
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Helmut Hetzel Nicht nur er. Denn der holländische Geldadel lässt den Euro rollen wie nie zuvor. Man holt sich auf der Millionärs-Messe schnell so nebenbei eine neue Schweizer Uhr für 27.000 Euro, kauft eine neue größere Yacht, die zwischen fünf Millionen oder 25 Millionen Euro kosten darf, bestellt einen neuen Porsche, Bentley oder Maserati, shoppt exklusive Modekreationen bei einem Haute Couture-Laden für einige Zehntausend Euro, gönnt sich zwischendurch wieder ein Gläschen Champagner an einer der vielen ,,Bubbel-Bars‘‘ wie die Champagner-Tankstellen zum Erfrischen im niederländischen Millionärs-Jargon heißen, guckt dann bei der ,,Austern-Kompanie‘‘ vorbei, um einige der edlen Meerestiere zu verspeisen oder lässt sich zum kurzen Entspannen nach dem anstrengenden Geldausgeben an der Sushi-Bar frischen rohen Fisch mit etwas Reis, Washabi und einem heißen Reiswein schmecken. Denn der Besuch der Amsterdamer Millionärs-Messe kann wirklich anstrengend sein. Das wissen auch die Millionäre und vor allem, das weiß der Veranstalter. Der Veranstalter, das ist Yves Gijrath. Vor acht Jahren hatte der Amsterdamer Unternehmer nämlich eine Idee. Yves Gijrath gründete die Zeitschrift ,,Der Millionär.‘‘ Es war ein mutiger Schritt im Internetzeitalter mit einem neuen Print-Medium auf den Markt zu kommen. Aber es wurde ein Erfolg. Die neue Zeitschrift wurde nicht nur gut verkauft, sie hatte bald mehr Anzeigen als redaktionellen Text. Und wer einmal im ,,Millionär‘‘ gestanden hatte, wollte sich darin immer wieder abgedruckt sehen. Denn nur wer in der Zeitschrift ,,Der Millionär‘‘ steht, der zählt in den Niederlanden wirklich mit, gehört mit zum Geldadel, der vielen Milliardäre und der immer größer werdenden Schar der Millionäre. Der Erfolg der Zeitschrift inspirierte Yves Gijrath dazu, eine Messe für Millionäre zu organisieren, die ,,Miljonair Fair.‘‘ Im Dezember 2007 findet sie zum sechsten Mal in Amsterdam statt. Es ist inzwischen das gesellschaftliche Event der Niederlande. Hier wird geshoppt, was das Zeug hält. Hier manifestiert sich der neue holländische Hedonismus. Hier wird geprunkt und geprahlt. Eine Attitüde, die eigentlich nicht typisch niederländisch ist. Denn in dem vom Calvinismus geprägten Land dominierte lange das Understatement. Low Profile anstatt Protzerei. Doch die alte calvinistische Bescheidenheit wurde von einer neuen Prunksucht abgelöst. Auch Calvinisten haben gelernt zu genießen und auf die Pauke zu hauen. Wie het breed heeft, laat het breed hangen. Auf der Miljonair Fair will man sein. Dort will man gesehen werden. Aber nicht nur dort in Amsterdam. Denn inzwischen ist die holländische Millionärsmesse des Yves Gijrath auch ein niederländisches Export-Produkt. Sie findet inzwischen außer in Amsterdam auch in Moskau, Shanghai, in Cannes und im belgischen Kortrijk statt. Nächstes Jahr wird sie erstmals in Deutschland organisiert. München wird der Ziel- und erste Standort der holländischen Messe für Millionäre in Deutschland. ,,Istanbul und Las Vegas werden folgen,‘‘ sagt Yves Gijrath. ,,Aber wir haben keine Hektik. Ich habe mich auch schon in Indien umgesehen. Aber dort ist die Zeit noch nicht reif für die Millionärs-Messe.‘‘ Wie jedes Jahr so lud der Millionärs-Messe-Veranstalter auch in diesem Jahr wieder eine Promi-Lady zur Eröffnungs-Gala, der so genannten ,,Vip-Night.‘‘ Nach Elizabeth Hurley fiel die Wahl unter den Celebreties diesmal auf die Hollywood-Diva Joan Collins. Die steuerte, kaum hatte sie mit einem Gong die Eröffnungszeremonie hinter sich, schnurstracks zum Stand eines weltbekannten friesischen Yachten-Bauers, um dort eine neue Luxusyacht zu ordern. Kaufpreis? – Wird nicht verraten. Das ist Diskretion auf der Millionärs-Messe. ,,Wir haben aber ein gutes Geschäft mir ihr abgeschlossen,‘‘ verrät der Repräsentant der friesischen Schiffswerft, wo nicht nur Hollywood-Stars sondern auch die arabischen Öl-Millionäre ihre Yachten bauen lassen. Unter den Ausstellern auf dieser sechsten Millionärs-Messe in Amsterdam, die auch Nicht-Millionäre zum Eintrittspreis von schnöden 35 Euro besuchen dürfen, um dann dort ein Gläschen Champagner für 15 Euro zu schlürfen und sich am Luxus, den sich Otto Normalverbraucher nicht leisten kann, zu ergötzen, sind auch viele Service-Unternehmen. Beispielsweise die ,,International Butlers Academy,‘‘ ein Unternehmen, das sich ,,Rent a Lounge‘‘ nennt, eine Privat-Airline, wo man sich seinen eigenen Privat-Jet samt Crew mieten kann, die Amsterdamer Diamentairs, da Diamanten wie Marilyn Monroe schon wusste, ,,The Girl’s best Friends‘‘ sind, und natürlich auch Nobel-Hotels wie das ,,Des Indes‘‘ aus Den Haag und das österreichische ,,Klosterbräu‘‘ aus Seefeld in Tirol. ,,Wir waren schon in Moskau dabei und werden im kommenden Jahr auch in München auf der ersten Millionärs-Messe in Deutschland vertreten sein,‘‘ sagt Alois Seyrling vom Hotel Klosterbräu. ,,Die Präsenz hier, die zahlt sich aus.‘‘ Überhaupt fällt auf, dass neben niederländischen auch österreichische, schweizer und deutsche Unternehmen bereits recht gut vertreten sind auf dieser Amsterdamer Millionärs-Messe. Der österreichische Dessous-Hersteller Wolford streichelt die Augen des Besuchers auf seinem Stand mit einer erotischen Produkt-Kollektion, die schweizer Uhren dominieren die Messe in diesem Produktsegment ohnehin und einige deutsche Autohersteller lassen sehen, was sie im nicht mehr zu überbietenden Marksegment der Automobilindustrie so alles anbieten können. Der Preis spielt da keine Rolle. Auch Myrna hat sich inzwischen entschieden: ,,Ich werde einige Villen in Florida kaufen. So günstig bekomme ich sie nie wieder. Der Dollar ist niedrig, die US-Hypothekenkrise zwingt viele Hauseigentümer zum Verkauf. Der Häusermarkt in den USA ist am Boden. Jetzt oder nie,‘‘ sagt Myrna. Sie produziert wieder ihr unwiderstehliches Lächeln und führt ihre Lippen erneut zum Champagnerglas. Szenen auf der Millionärs-Messe. Wie gesagt, sie fand im Dezember 2007 statt. Also noch vor dem weltweiten Börsencrash der jetzt im Januar 2008 Vermögen in Milliardenhöhe verdampfen lässt, und auch noch vor der Palm Invest-Affäre. Inzwischen ist die US-Finanzkrise zu einer hässlichen Krake mutiert, die auch die reale Ökonomie bedroht. Die ,,Bubbels‘‘ im Champagnerglas sind schal geworden. Das prickelnde Getränk dürfte in diesen Börsencrash-Tagen auch so manchem vermögenden Niederländer nicht mehr so gut schmecken wie noch vor einem Monat auf der Miljonair Fair in Amsterdam. |